Als Händler haben Sie vielleicht schon von der Grundpreisverordnung gehört. Als Bestandteil der deutschen Preisgestaltungsverordnung ist sie für viele Händler verbindlich – egal ob online oder offline.

Die meisten Waren, die Verbraucher im Alltag nutzen und konsumieren, werden unter Angabe von Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche angeboten und verkauft. Der Preis, den Verbraucher zahlen, ist dabei in der Regel der Gesamtpreis.

Was ist der Grundpreis?

Wahrscheinlich ist Ihnen im Supermarkt schon aufgefallen, dass auf den Preisschildern zusätzlich der Preis pro 100 Gramm oder pro Liter angegeben wird. Dabei handelt es sich um den Grundpreis. Auch in Onlineshops ist die Angabe des Grundpreises in vielen Fällen nötig. Aus diesem Grund haben wir im Interview mit dem Händlerbund die Thematik genauer beleuchtet. 

händlerbund grundpreis verordnung

Der Händlerbund ist der größte Onlinehandelsverband Europas und setzt sich für sicheren und erfolgreichen E-Commerce ein. In diesem Interview erfahren Sie, was der Grundpreis eigentlich ist, wann er wie angegeben werden muss und was es bei dem Thema sonst noch zu beachten gibt.

Was genau gibt der Grundpreis eigentlich an und warum gibt es ihn?

Die Pflicht zur Angabe des Grundpreises ist in der Preisangabenverordnung geregelt und soll für Transparenz sorgen. Unterschiedliche Hersteller füllen ihre Ware häufig in unterschiedlichen Packungsgrößen ab. So gibt es den einen Joghurt im 150-Gramm- und den anderen im 200-Gramm-Becher. Da die alleinige Angabe des Gesamtpreises, dem Verbraucher es erschweren würde, den Preis der beiden Produkte zu vergleichen, ist die Angabe des Grundpreises notwendig.

Lesetipp: Alles was Online-Händler zum neuen Verpackungsgesetz 2019 wissen müssen, finden Sie hier.

Wer muss einen Grundpreis angeben und wie hat das auszusehen?

Der Grundpreis muss angegeben werden, wenn Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche in Fertigverpackungen, offenen Verpackungen oder als Verkaufseinheit ohne Umhüllung abgegeben werden. Dabei muss der Grundpreis immer als Preis pro einem Kilogramm, einem Liter, einem Kubikmeter, einem Meter oder einem Quadratmeter angegeben werden. Bei Ware, die üblicherweise in geringeren Mengen bis zu 250 Gramm oder 250 Milliliter verkauft wird, darf sich der Grundpreis auch auf je 100 Gramm beziehungsweise Milliliter beziehen.

grundpreisverordnung richtlinien beispiele

Besondere Achtsamkeit müssen Händler an den Tag legen, wenn es um die Darstellung im Shop geht: Es reicht nämlich nicht aus, den Grundpreis lediglich auf der Produktdetailseite zu nennen. Die Angabe des Grundpreises ist immer dann notwendig, sobald mit dem Preis geworben wird. Das bedeutet, dass die Grundpreisangabe auch auf katalogähnlichen Übersichtsseiten erfolgen muss, wenn dort auch der Gesamtpreis zu finden ist. Außerdem muss der Grundpreis in unmittelbarer Nähe des Gesamtpreises stehen, denn: beide Angaben müssen für den Käufer auf einen Blick zusammen wahrgenommen werden können.

Lesetipp: Ein Hinweisblatt mit Tipps zur Angabe von Grundpreisen im Online-Shop finden Sie hier.

Das klingt kompliziert. Welche Fehler passieren hierbei häufig?

Der größte Fehler ist erfahrungsgemäß das Weglassen der Grundpreisangabe, da das Bewusstsein für diese Verpflichtung fehlt. Ein weiterer häufiger Fehler ist, dass der Grundpreis zwar auf der Artikelübersichtsseite angezeigt wird, aber ansonsten nirgendwo zu finden ist, obwohl auch an anderer Stelle mit dem Gesamtpreis geworben wird. Sie müssen sich als Händler merken:

Sobald Sie Waren verkaufen, die grundpreispflichtig sind, müssen Sie diesen auf jede Seite setzen, auf der mit dem Verkaufspreis geworben wird!

grundpreisverordnung onlinehandel

Was kann passieren, wenn ich (in einem deutschen Shop) keinen Grundpreis angebe oder etwas falsch mache?

Bei der Angabe des Grundpreises handelt es sich um eine Marktverhaltensregel. Das bedeutet: Bei der Verletzung dieser Pflicht gehen Sie das Risiko einer Abmahnung nach dem Wettbewerbsrecht ein. Solche Verstöße werden gern und häufig von Vereinen wie dem IDO-Verband abgemahnt. Die Abmahngebühren solcher Vereine sind zwar eher gering (200 bis 300 Euro), dennoch sollte auf das Risiko verzichtet werden, da eine Abmahnung regelmäßig mit dem Abgeben einer strafbewehrten Unterlassungserklärung einhergeht. Abmahnungen von Mitbewerbern fallen hingegen teurer aus. Hier können die Kosten schnell bei über 1.000 Euro liegen.

Außerdem handelt es sich beim Verstoß gegen die Grundpreisangabe auch um eine Ordnungswidrigkeit.

Wie genau können Onlinehändler das in ihrem Shopify Store umsetzen?

Wer gerade erst einen Shop mit Shopify anlegt, kann direkt unter dem Reiter “Produkt hinzufügen/bearbeiten” den Grundpreis einfügen. So wird der Grundpreis auf der Produktseite, im Warenkorb, beim Checkout und in der Bestellbestätigung angezeigt.

Für bereits bestehende Shops gilt der gleiche Weg: über den Reiter “Produkte” können die unterschiedlichen Produkte bearbeitet und der Grundpreis eingefügt werden. Wenn in der Vergangenheit jedoch Veränderungen am Code gemacht wurden, ist es hier zunächst notwendig, ein Upgrade des Themes vorzunehmen. Falls der Code unverändert geblieben ist, wird das Theme automatisch aktualisiert.

Grundpreis in Shopify einstellen

Damit der Grundpreis überall, also auf der Produktseite, im Warenkorb, im Checkout und der Bestellbestätigung, angezeigt wird, ist auch die Anpassung der Mails nötig. 

Muss irgendjemand keinen Grundpreis angeben?

Ja, da gibt es tatsächlich Ausnahmen. So entfällt die Pflicht bei Kleinstpackungen unter 10 Gramm beziehungsweise 10 Milliliter, dekorativer Kosmetik, Kau- und Schnupftabak bis 25 Gramm und Parfüms und Duftwässer. Die Grundpreispflicht entfällt außerdem, wenn der Gesamtpreis identisch zum Grundpreis ist.

grundpreis verordnung e-commerce

Die vollständige Infografik vom Händlerbund finden Sie hier 


Which method is right for you?

Das Interview führte Hendrik Breuer: Hendrik ist Redakteur des deutschen Shopify-Blogs. Möchten Sie einen Gastbeitrag veröffentlichen? Dann lesen Sie bitte zuerst diesen Leitfaden.

Leave a comment